Gründungsgeschichten aus der Region: Melanie Fraas

Melanie Fraas schafft Coaching-Angebote für neurodivergente Erwachsene

Manche Geschäftsideen entstehen aus einer Marktlücke, andere aus der eigenen Erfahrung. Bei Melanie Regina Fraas kommt beides zusammen. Nach ihrer eigenen ADHS-Diagnose mit Anfang 30 erlebte sie selbst, wie schwierig es sein kann, passende Unterstützung zu finden und zunächst einmal zu verstehen, was die Diagnose für das eigene Leben bedeutet.

Mit ihrem 2026 in Coburg gegründeten Coaching-Angebot möchte sie deshalb genau die Ansprechpartnerin sein, die sie sich damals selbst gewünscht hätte. Sie begleitet neurodivergente Erwachsene dabei, sich selbst besser zu verstehen und einen Alltag zu entwickeln, der zu ihnen und ihren individuellen Bedürfnissen passt.

Kurzprofil

Melanie Regina Fraas
Coaching für Neurodivergenz
Gründung: 2026
Standort: Coburg
Branche: Coaching / Persönlichkeitsentwicklung / Neurodivergenz

Aus eigener Erfahrung zur Geschäftsidee

Die Selbstständigkeit hatte Melanie Fraas schon länger interessiert. In klassischen und engen Beschäftigungsstrukturen fühlte sie sich häufig nicht richtig aufgehoben. Der entscheidende Impuls für die eigene Gründung kam jedoch durch ihre ADHS-Diagnose.

Sie begann, sich intensiv mit Neurodivergenz auseinanderzusetzen und stellte dabei fest, wie begrenzt die Unterstützungsangebote für Erwachsene teilweise sind. Gerade bei Frauen können ADHS oder Autismus lange unerkannt bleiben, weil sich die Symptome nicht unbedingt so zeigen, wie es verbreiteten Vorstellungen entspricht.

Ich möchte für andere Menschen die Person sein, die ich mir selbst nach meiner ADHS-Diagnose gewünscht hätte.

Aus dieser persönlichen Erfahrung entwickelte sich schließlich eine konkrete unternehmerische Idee.

 

Menschen verstehen statt optimieren

Heute begleitet die Gründerin neurodivergente Erwachsene – unabhängig davon, ob bereits eine Diagnose vorliegt oder zunächst nur das Gefühl besteht, anders zu denken und den Alltag anders zu erleben.

Ihr Coaching basiert auf einem systemischen Ansatz. Der einzelne Mensch wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern immer auch im Zusammenspiel mit seinem sozialen und beruflichen Umfeld.

Es geht nicht darum, Menschen zu verändern oder zu optimieren, sondern Wege zu finden, die wirklich zu ihnen passen.

Das können beispielsweise individuelle Strategien für Organisation und Zeitmanagement sein, aber auch der Umgang mit Familie, Freunden oder Herausforderungen im Berufsleben. Vorgefertigte Lösungen gibt es bewusst nicht: Die Klientinnen und Klienten sollen neue Perspektiven entwickeln und herausfinden, was für ihre persönliche Situation tatsächlich funktioniert.

Von der App-Idee zum direkten Coaching

Eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Gründung spielte das EXIST-Women-Programm der Hochschule Coburg, an dem Melanie Fraas 2025 teilnahm. Neben Weiterbildungsmöglichkeiten profitierte sie besonders vom Austausch mit anderen gründungsinteressierten Menschen.

Ihre ursprüngliche Geschäftsidee sah allerdings noch anders aus: Zunächst wollte sie eine digitale Anwendung entwickeln, die neurodivergente Menschen im Alltag unterstützt.

Doch die Entwicklung einer solchen Lösung braucht Zeit. Gleichzeitig sah die Gründerin bereits jetzt einen konkreten Bedarf.

So entschied sie sich, nicht auf die fertige App zu warten, sondern zunächst unmittelbar mit Menschen zu arbeiten. Ganz vom Tisch ist die ursprüngliche Idee deshalb nicht – langfristig könnte sie wieder Teil des Unternehmens werden.

Gründen heißt auch: vieles gleichzeitig lernen

Eine Erfahrung teilt Melanie Fraas mit vielen Gründerinnen und Gründern: Gerade zu Beginn besteht erstaunlich wenig Zeit für die eigentliche fachliche Arbeit.

Buchhaltung, Marketing, Behörden, Versicherungen oder Datenschutz gehören plötzlich genauso zum Alltag wie das eigene Angebot.

Für die Unternehmerin hat das durchaus zwei Seiten. Einerseits schätzt sie die Vielseitigkeit, andererseits kennt sie die Gefahr, sich in immer neuen Themen und Details zu verlieren.

Ihr vielleicht wichtigster Aha-Moment aus der Gründungsphase lautet deshalb:

Perfektion bedeutet nicht automatisch Qualität.

Statt lange an einer vermeintlich perfekten Lösung zu arbeiten, möchte sie Ideen heute früher ausprobieren und aus den tatsächlichen Rückmeldungen lernen. Für sie besteht darin auch eine Parallele zum Coaching: Entscheidend ist nicht die theoretisch perfekte Lösung, sondern eine, die für den jeweiligen Menschen funktioniert.

Wissenschaft, Ausbildung und eigene Erfahrung

Was ihr Angebot besonders macht, ist die Verbindung verschiedener Perspektiven. Melanie Fraas hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin zum Thema Neurodivergenz bei Studierenden geforscht. Hinzu kommen eine fundierte systemische Ausbildung und eine spezielle Weiterbildung zum ADHS-Coach.

Mindestens ebenso wichtig ist für sie jedoch die eigene Erfahrung mit Neurodivergenz.

Dadurch möchte sie einen Raum schaffen, in dem Betroffene nicht zunächst erklären oder rechtfertigen müssen, warum sie bestimmte Situationen anders erleben.

Gerade spät diagnostizierte Menschen hätten häufig über viele Jahre erfahren, dass sie vermeintlich nicht richtig funktionieren. Diese Erfahrung könne dazu führen, dass Betroffene Hemmungen entwickeln, überhaupt Unterstützung zu suchen.

Warum das Coburger Land?

Coburg ist für Melanie Fraas Heimat – gleichzeitig sieht sie gerade im ländlichen Raum Bedarf für zusätzliche niedrigschwellige Angebote.

Ich möchte zeigen, dass gute Unterstützung nicht nur in Großstädten möglich ist.

Für ihre Gründung schätzt sie außerdem die kurzen persönlichen Wege, die aktive Gründungs-Community und die Unterstützung durch regionale Akteure.

Aus einer Idee soll mehr entstehen

In den kommenden Jahren möchte Melanie Fraas ihr Angebot Schritt für Schritt weiterentwickeln. Neben dem individuellen Coaching kann sie sich Workshops, Gruppenangebote sowie digitale und analoge Produkte vorstellen.

Und möglicherweise schließt sich irgendwann der Kreis zur ursprünglichen Geschäftsidee: Auch eine eigene App zur Unterstützung neurodivergenter Menschen im Alltag bleibt Teil ihrer langfristigen Vision. Was sie dabei antreibt, ist vor allem die unmittelbare Wirkung ihrer Arbeit.

Manchmal kann schon ein einziges Gespräch einen großen Unterschied für einen anderen Menschen machen.

Persönliche Perspektive

 

Unternehmertum bedeutet für mich:

Ideen Wirklichkeit werden zu lassen und Verantwortung für die eigene Vision zu übernehmen.

 

Die Region Coburg ist für mich:

Heimat und ein Ort mit viel Potenzial für neue Ideen und engagierte Menschen.

 

Erfolg heißt für mich:

Etwas aufzubauen, hinter dem ich wirklich stehe, Dinge zu tun, die sich für mich richtig und sinnvoll anfühlen – und dabei meinen eigenen Weg gehen zu können.

www.neurorosa.de

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